I don´t like f****** mondays - die Woche fängt schon wieder an.
Das Wochenende ist noch im Kopf, so auch mein letzter Kunde von Freitag.
Er möchte sich einen Hund kaufen. Er sei ein absoluter Hundenarr und wollte schon seit ewig eine loyale immer zur Seite stehende Begleitung in guten und schlechten Zeiten. Damals als Kind wollte er einen Hund, aber seine Eltern wären strikt dagegen gewesen. Wohnung zu klein, zuviel Dreck, „Du bist sowieso nie da. Entweder in der Schule,bei Freunden oder in der Disco. Die Arbeit, der Alltag mit dem Hund bleibt am Ende an uns hängen und Du nimmst dir die Rosinen raus. Mal Füttern, mal zum Tierarzt mal spielen...“ usw. So war es damals: Kind will , Kind fragt, Eltern ignorieren, geben Argumente und Ausreden. Das Kind muss sich beugen, es bleiben Träume und Hoffnungsschimmer. So geht die Zeit vorbei.
Damals waren es die Eltern die „nein“ sagten und heute ist es die Vernunft. Wenn man oft genug das Nein hört, fängt man irgendwann an es zu glauben. Die Vernunft siegt, weil die Wohnung eigentlich zu klein ist und man keine Zeit hat. Der Dreck, die Verantwortung sind zu groß usw. Man hat das Thema als kindlichen Traum abgehackt. Gelegentlich klopft der Gedanke an. Das Träumen von Früher, ganz unerwartet an schlechten Tagen, beim Joggen oder im Traum. Und dann weisst Du genau: die Sehnsucht nach einem Seelenfreund ist geblieben. Was soll man machen? Wie soll die Lösung ausschauen? Kann ein Hund unser ständiger Begleiter sein? Ist das Aufgeben des Traumes die Lösung oder das Problem? Manche Träume sollen Träume bleiben.
Ich fragte ihn nach seinen Lebensumständen und seinem Tagesablauf: „Ich bin 36, getrennt, keine Kinder. Um 9:00 Uhr fahr ich mit dem Auto zur Arbeit. Da bleib ich eigentlich den ganzen Tag – open end. Ich geh einfach in meiner Arbeit auf und hab da auch meine Freunde. Nach der Arbeit geh ich gern mal auf ein Weißbier und am Wochenende schlaf ich aus, geh einkaufen, samstags immer joggen.“ Aha! Jetzt bin ich aufgewacht! Vorhin bei „Weißbier“ hab ich kurz geblinzelt. Aber der Satz mit „Samstags immer joggen gehen“ macht mich hellwach. Ich bin Hundetrainer. Ich liebe meine Arbeit und ich liebe die Sätze mit „immer“.
„Samstags immer joggen“ – das ist ein Anfang für diese Mensch-Hund-Beziehung. Mit Verantwortung fängt das Zusammenleben mit einem Hund an. Samstags Zeit für einen Hund zu haben ist aber zu wenig. Wer einen Hund aufnimmt muss sich Zeit nehmen, es bedeutet Priorität. Wo soll die Zeit herkommen? Man macht es. Man sagt nein zu anderen Sachen. Mann passt sein Leben an den Hund an und hofft, daß der Hund sich einem auch anpasst. Am Anfang wird es Engpässe geben und Stress. Mann muss einfach gut planen und einen Anfang machen. Deswegen frage ich ganz direkt: „Was bist Du bereit zu geben um Deinen Traum vom ständigen Begleiter zu verwirklichen?“ Um diese Frage zu beantworten müssen wir mit uns selber ehrlich sein. Ja, einen Hund zu haben bedeutet Veränderung. Wer noch nicht gelacht hat oder nicht so oft gelacht hat wird dann lachen. Viel lachen. Wer nicht geliebt hat wird dann lieben. Nicht zu vergessen die Zuneigung und Dankbarkeit. Man wird auch endlich gebraucht, du bist plötzlich Chef, und Du bist plötzlich ganz wichtig und unersetzlich Dein Terminkalender ist plötzlich voll – früh aufstehen, spazierengehen. andere Hundebesitzer treffen, Freunde vom Hund im Park treffen, Tierarzt, Hundeschule, Hundesalon, Hundeladen, Futter und Equipment kaufen, Wohnung umgestalten usw..
Ein Hund ist eine Bereicherung, aber auch eine Einschränkung .
Hunde wollen immer gefallen, das müssen wir glauben. Sie sind einfach nicht böse, sondern wollen nur Gutes tun.Sie bleiben ihr Leben lang absolut unschuldig wie kleine Kinder.
Ein Hund kommt zu uns nach Hause, es gibt eine Anpassungszeit wo beide sich annähern. Wo entschieden wird wer was darf, und wer Chef und Indianer ist. Der Anfang ist „Samstags joggen“.
Aber auch das kann zum Disaster werden. Manche Hunde sind keine Jogger, sondern jagen Jogger damit die schneller laufen. Wir haben Träume und wenn es nicht so läuft wie wir dachten , dann beschuldigen wir den Hund.
Ich frage ihn: Möchtest Du einen Freund oder ein Spielzeug? Bist Du bereit für Veränderung oder möchtest Du nur ein Extra in Deinem Leben? Bist Du bereit Dich zu reiben bis der Stein ins Mosaik passt oder suchst Du einen fertigen Puzzlestein als Ergänzung?
Ein Seelenfreund kann er werden , ein loyaler, er kann das alles sein und viel mehr. Das ist es doch was wir von einem Hund wollen!
Oder wollen wir einen Schatten?
Die Tierheime sind voll. Man kauft sich nicht einen Hund um ihn dann abzugeben. Die Strassen sind auch voll, aber wir kaufen weiterhin Autos. Jeder von uns hat Träume, Hoffnungen, Familien, Mutter und Vater und Freunde. Manchmal aber verlieren wir in unserem Leben Teile. Und verdammt! Ein Hund gibt uns alles zurück und noch viel mehr. Besonders in Momenten wo wir uns allein oder verloren fühlen. Wo die Hoffnung an der Kippe steht. Dann riskiere es. Ich bitte Dich nur: denke genau darüber nach...................................ihr Kevin Harris